Ein bemerkenswertes Projekt

Projekt: Anne Frank

Nordkurier: Von unserem Redaktionsmitglied Jörg Döbereiner

Ein bemerkenswertes Projekt hatte gestern seinen Höhepunkt: Schüler der Johann-Christoph-Adelung-Schule beleuchteten in Anklam und Spantekow mit ihrem Bühnenstück das Leben der Anne Frank.

Spantekow. Ein Tisch, ein Stuhl, eine Decke, ein paar Scheite Holz – und ein Tagebuch. Viel mehr Utensilien gab es nicht auf der Bühne im Volkshaus Spantekow, und viel mehr gab es wohl auch nicht in dem Amsterdamer Hinterhaus, wo sich Anne Frank mit ihrer Familie von 1942 bis 1944 vor den Nationalsozialisten versteckt hielt.
Mit Bühnenspiel, Tanz und Gesang warfen die achte und die neunte Klasse der Spantekower Schule Schlaglichter auf das kurze, dramatische Leben der Anne Frank – vom unbeschwerten Blinde-Kuh-Spiel mit den Freundinnen über die Bombardierung im Versteck bis zur Verhaftung durch die Nationalsozialisten. Im Wechsel lasen die Schüler aus dem berühmten Tagebuch und übernahmen abwechselnd die Rolle der Protagonistin. So wurde klar, was schon der Titel andeutete: Das Schicksal der Anne Frank ist eines von vielen, es steht beispielhaft für die unvorstellbar große Zahl jüdischer Opfer des NS-Regimes.
Unterstützt wurde das Spiel der Schüler von historischen Fotografien und Szenen aus dem Film „Anne Frank – die wahre Geschichte“, projiziert auf eine Leinwand neben der Bühne. Im Zusammenspiel mit Tanz- und Gesangseinlagen entstand so eine teils heitere, teils sehr bedrückende Stimmung, die im Aufmarsch schwarz gewandeter NS-Militärs ihren Höhepunkt hatte.
Dass sich das Engagement der Schüler gelohnt hat, zeigte nicht zuletzt der Applaus der rund 150 Zuschauer im Spantekower Bürgerhaus. „Toll!“ und „Spitze!“ waren die Reaktionen, die nach der Aufführung zu hören waren. Seit Januar hatten die Acht- und Neuntklässler regelmäßig an dem Stück geprobt und sich im Unterricht intensiv mit Anne Frank und dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt.Zu Beginn der Woche hatten die Schüler außerdem in Berlin jüdische Einrichtungen und das Anne-Frank-Haus besichtigt.
„Die Schüler sind mit großem Engagement an das Projekt herangegangen“, zeigte sich Schulleiter Frank Ochel stolz. Davon zeugt auch eine Ausstellung zum Holocaust, die am Rande der Aufführungen und im Vorfeld zu sehen war.
Bei dem Projekt wurden die Schüler unterstützt von den Schauspielern Eva-Maria Blumentrath und Christian Holm sowie vom künstlerischen Leiter des Fritz-Reuter-Ensembles Anklam, Torsten Wiedemann. Die künstlerische Leitung hatte Lehrerin Beate Wegner inne, finanziert wurde das Projekt vom Lokalen Aktionsplan Anklam.