WERFT! – Ein Neuanfang

„Die Werft findet nicht statt“, heißt es derzeit in der Kulturkirche St. Jakobi. Gemeint ist die Sommerpause des Theaterstücks zur Geschichte der Stralsunder Volkswerft. Wer also die Aufführung bislang noch nicht gesehen hat, bekommt ab September eine neue Gelegenheit dazu. Nahezu ausverkauft waren die ersten Vorstellungen im Juni, in denen das Publikum die Protagonisten auf der Bühne durch mehr als 60 Jahre Werftalltag begleitete. Die szenische Zeitreise beginnt bei einer Vision über eine volkseigene Werft, führt durch die DDR-Realität bis zu den Massenentlassungen infolge oftmals fragwürdiger Eigentümerwechsel in der Gegenwart und endet in der Hoffnung auf ein Weiterbestehen der Werft. Autor und Regisseur Franz Triebenecker erzählt die Geschichte und Geschichten mit emotionalem Tiefgang und viel Humor. Im Fokus steht eine Werftarbeiterin, deren Leben von der Jugend bis ins Rentenalter eng mit der Werft verbunden ist. Sie beginnt dort ihre Ausbildung und entwickelt sich zur hochqualifizierten Schweißerin. Sie erlebt Liebe und Enttäuschungen, zieht allein eine Tochter groß. Ausgebrannt nach einem langen Arbeitsleben verfolgt sie den Untergang der Volkswerft und desillusioniert die wenig erfolgreichen Neuanfänge. Doch noch ist das Ende nicht in Sicht, auch die Werftbelegschaft der heutigen Generationen gibt so leicht nicht auf. Das ist die letzte Botschaft der engagiert spielenden Bühnenakteure aller Altersgruppen, in deren Kreis auch ehemalige Werftangehörige mitwirken. Es wird weiter gehen! So viel ist sicher!

Im Werftalltag wie auf der Bühne. Die Produktion der Kulturkirche mit Unterstützung des Kreisdiakonischen Werkes Stralsund, des Betriebsrates der Volkswerft, der Damp-Stiftung und der Aktion Mensch läuft bis Ende des Jahres. Und der Autor liebäugelt auch noch mit möglichen Veränderungen des Werftstückes durch neue Szenen, die aus Gesprächen und noch nicht gesammelten Erinnerungen einstiger Volkswerftler entstehen könnten.

Die nächsten Vorstellungen im Gustav-Adolf-Saal finden am 2. und 3. September jeweils um 19 Uhr statt. Weitere gegen Ende September wie auch im Oktober und November.

Bernd Hinkeldey